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Regionalbesuche

Juni 2010

"Finanzierungslücke freier Schulen endlich verkleinern"

Informationsbesuch an freier Schule in Selent

Freie Schule Selent

Lernbegleiter Frederic Flemming demonstriert das von den Kindern gebaute Musikinstrument

 

Zurzeit besucht die Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Schulen in freier Trägerschaft in Schleswig-Holstein, um sich über die finanzielle Situation zu informieren. Ich war in Selent in der "Freien Schule Leben und Lernen".

Obwohl Schulen in freier Trägerschaft unbestritten ein hochwertiges Angebot für die Schullandschaft darstellen, werden sie finanziell vom Land stiefmütterlich behandelt: Sie erhalten nur 80% der Zuschüsse für staatliche Schulen, wobei die Bezugsgröße 2001 ist. Und Investitionen müssen sie meist aus eigener Tasche zahlen.

Die Finanzierung der Privatschulen ist verwirrend. Daher hat unsere Fraktion Anfang Mai einen Gesetzentwurf eingereicht, um die Finanzierung gerechter und transparenter zu gestalten. Eigentlich müsste die Regierung dem zustimmen. Die Aufstockung des Zuschusses auf 85% hatten CDU und FDP beide im Wahlprogramm.

Dass freie Schulen die Schullandschaft mit ihrem Angebot bereichern, gilt als unstrittig. Die "Freie Schule Leben und Lernen" Selent ist als Montessori orientierte Grund- und Gemein­schafts­schule mit inte­griertem Kinder­garten eine staatlich geneh­migte Ersatz­schule. Im Gespräch mit Vorstandsmitglied Helge Ketelsen und Lernbegleiter Frederic Flemming zeigte sich schnell, wo sich das Angebot der Schule sich von dem der staatlichen Schulen unterscheidet. Hier wird auf Eigenverantwortlichkeit und Selbstbestimmung der Kinder gesetzt, viele Regeln bestimmen die Kinder in der begleiteten Kinderregierung selbst.

Die Finanzierungslücke wird durch ehrenamtliches Engagement immerhin verkleinert. "Wir sparen den Hausmeister, die Reinigungskräfte, den Fahrdienst und die gesamte Verwaltung durch das hohe Engagement der Eltern ein. Trotzdem stoßen wir immer wieder an Grenzen." Eine der Grenzen ist der dringend benötigte Ausbau der Schule. So dürfen Räume im Obergeschoss aus brandschutztechnischen Gründen nicht genutzt werden, weil der zweite Rettungsweg fehlt. "Wir könnten mehr Kinder aufnehmen, wenn das Geld für die Erfüllung der Auflagen da wäre", bedauert Lernbegleiter Flemming.

Auch eine Turnhalle oder Kindertoiletten sucht man in der Schule vergeblich. "Neben den privat finazierten Gebäude- und Materialkosten für den Schulbetrieb bekommen wir darüberhinaus noch 20% weniger Geld als staatliche Schulen. Das zeigt sich unter anderem in einem geringeren Ausstattungsstandard als in staatlichen Schulen."

Der Freude der Kinder am Schulbesuch tut dies keinen Abbruch – im Gegenteil. Nicht selten müssen die Lernbegleiter die Kinder nach Schulschluss ermahnen, nach Hause zu gehen. "Kürzlich wurde sogar im Kinderparlament diskutiert, die Schulferien gänzlich abzuschaffen", so Ketelsen.

Der Gesetzentwurf von uns sieht im Wesentlichen vor:

- die Zuschüsse von 80 auf 85 Prozent der Ausgaben für eine/n SchülerIn in einer staatlichen Schule anzuheben
- das Vorjahr als Bezugsgröße für die Zuschüsse zu nehmen, nicht das Jahr 2001
- auch Schulen in freier Trägerschaft verbindliche Investitionskostenzuschüsse zuzusichern
- die Hälfte der regulären Zuschüsse rückwirkend zu erstatten, wenn die ersten zwei Jahre nach der Schulgründung erfolgreich vergangen sind. Zurzeit werden in den ersten zwei Jahren nach einer Schulgründung keine Zuschüsse gezahlt.


Während in Schleswig-Holstein 4,1 Prozent der SchülerInnen freie Schulen – inklusive der Schulen der dänischen Minderheit – besuchen, bewegt sich dieser Anteil in den anderen Bundesländern durchschnittlich bei 7,8 Prozent. Mit dem Gesetzentwurf soll für die Schulen in freier Trägerschaft eine finanziell solidere Grundlage geschaffen werden. Dadurch würde sich der Anteil der SchülerInnen, die eine Schule in freier Trägerschaft besuchen, erhöhen. Schon bei einer Steigerung des Anteils auf rund sechs Prozent wäre der Gesetzentwurf kostenneutral.


 

 

 

 

"FÖJ ausreichend finanzieren!"
Besuch in einer FÖJ-Einsatzstelle in Plön

Rund 600 junge Menschen bewerben sich jedes Jahr auf die 150 Einsatzstellen für ein freiwilliges ökologisches Jahr in Schleswig-Holstein.  Geht es nach den Plänen der Landesregierung, werden sich die Jugendlichen künftig um noch weniger Stellen bewerben müssen - der Rotstift ist gezückt:
In zwei Schritten sollen die bislang 1,2 Millionen Euro Zuschuss auf dann 800.000 Euro zusammengestrichen werden.

Welche Folgen haben die geplanten Kürzungen der Landesmittel für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) für die vielen Einsatzstellen und die von ihnen geleistete Umweltarbeit vor Ort konkret?

Darüber habe ich mich im März 2010 gemeinsam mit meinen kommunalen Kollegen, Gerd Dreßler und Karl-Martin Hentschel im Gespräch in einer FÖJ Einsatzstelle in Plön, der Natur-, Umwelt- und Abfallberatungsstelle informiert.

Carsten Pusch, Leiter der Plöner FÖJ Einsatzsstelle und Sabine Untiedt, seine Preetzer Kollegin und Leiterein der dortigen FÖJ Einsatzstelle, konnten beeindruckende Zahlen aufweisen.

Bislang haben allein die vier Umweltberatungsstellen im Kreis Plön 86 jungen Menschen ausgebildet. Die betreuten Jugendlichen erwerben während des FÖJ umfangreiche Kenntnisse aus den verschiedensten Themenfelder des Umweltschutzes und bekommen umweltpädagogische Kenntnisse vermittelt. So erlangen sie auch den Jugendleiterschein und bieten dem Kreis in dieser Zeit ein hervorragendes Zusatzangebot für Kinder.

Und wie gewinnbringend das ist, berichteten uns die beiden derzeitigen FÖJ-Einsatzkräfte, Sonja Kotte und Tim Vetterlein, den Politikern sehr überzeugend.

Sollten die Kürzungen im geplanten Umfang stattfinden, würde das auf vier Ebenen durchschlagen:Etliche kleine Einsatzstellen würden den, nach den vorliegenden Planugen um 150 % erhöhten Einsatzstellenbeitrag nicht mehr zahlen können und müssten als Konsequenz ihr umfangreiches Angebot für Bürgerinnen und Bürger qualitativ und mengenmäßig reduzieren, das Taschengeld der ehrenamtlichen Jugendlichen würde gekürzt werden, das pädagogischen Angebot durch die beiden FÖJ Träger in Schleswig-Holstein für die Jugendlichen müsste reduziert und die bislang 150 angebotenen Plätze  um etwa 10%  reduziert werden.

Ich meine: Wenn man das FÖJ derartig zusammenstreicht, geht der ganze Sinn davon verloren. Alle reden von Ehrenamsförderung und Unterstützung und Verbesserung der Kinder- und Jugendarbeit, und dann wird als erstes genau in diesem Feld gespart. Die geplanten 400.000 Euro Kürzung sind nur ein kleiner Betrag im Gesamthaushalt des Landes und verschwinden neben den Steuergeschenken an einflussreiche Lobbygruppen. Für die weit über den Landesgrenzen hinaus anerkannt herausragende Qualität des FÖJ in Schleswig-Holstein dagegen sind sie dagegen nahezu existenziell.

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Gerd Dreßler, FÖJ-Absolvent Tim Vetterlein, Monika Heinold, FÖJ-Absolventin Sonja Kotte und Karl-Martin Hentschel


 

 

Besuch im Institut für ökologischen Landbau

Im Februar 2010 besuchte ich mit unserer Fraktion das Institut für ökologischen Landbau in Trenthorst. Interessant war es, die Grundzüge des ökologischen Landbaus mit der Prämisse der geschlossenen Stoffkreisläufe vor Ort zu erleben.

Der Versuchsbetrieb, der seit 2003 vollständig auf den ökologischen Landbau umgestellt wurde, hat fünf unabhängige Einzelbetriebe - mit und ohne Tiere.

Beeindruckend waren die zahlreichen Fragestellungen, die das Institut untersucht. So z. B. in der ökologischen Milchkuhhaltung: Untersuchungen zur Produktqualität von Bio-Milch und Bio-Milchprodukten, der Einfluss des Verhältnisses zwischen Mensch und Tier auf die Tiergesundheit und die Arbeitsplatzqualität, Auswahl geeigneter Rassen für den ökologischen Landbau, zentrale Fragen der Vermarktung  etc.  sind nur einige der zahlreichen Fragestellungen, die helfen, den ökologischen Landbau nach vorne zu bringen.

Besuch in Trenthorst

 


 

Bürgergespräch zur HSH-Nordbank in Eutin

Die Situation der HSH-Nordbank macht viele Bürgerinnen und Bürger regelrecht sauer auf den Umgang der PolitikerInnen mit Steuergeldern.

Pastor Michael Schwer aus der Ökumene Plön brachte es auf den Punkt und lud mich Mitte Mai zu einem Gespräch nach Eutin mit dem provokativen Titel " Die HSH-Nordbank, die Demokratie und der dicke Hals" ein. Den etwa 10 interessierten Bürgerinnen und Bürgern gab ich vorab eine Einführung, wie sich die Situation der Landesbank in den letzten Jahren entwickelt hatte:

Die Problemkreise der Landesbank sind komplex. So wurde u.a. bei der Umwandlung der ehemaligen Landesbank in die HSH-Nordbank als Aktiengesellschaft der Fehler gemacht, dass die Bank weder auf das Ziel der Gemeinnützigkeit festgelegt wurde, noch wurde ein Verhaltenskodex verankert, welche die Geschäftspolitik auf die Grundlage ethischer, sozialer und ökologischer Kriterien verpflichtet.

Auch erfolgte keine intensive Prüfung, wie eine ehemalige Regionalbank ohne die Gewährträgerhaftung der Länder zukünftig funktionieren kann. Hinzu kam das Ziel des Börsengangs, welches zur Folge hatte, dass die Bank zunehmend auf hohe Renditen setzte und deutlich mehr Kredite aufnahm, als sie für die Kreditvergabe der Wirtschaft brauchte. Das war durch die auslaufende Gewährträgerhaftung möglich. Mit diesen Krediten machte sie dann die Spekulationsgeschäfte, die im letzen Jahr zu den hohen Verlusten geführt haben.

Mit dem 13 Milliarden Rettungspaket und mit dem neuen Geschäftsmodell für die Bank hofft die Landesregierung nun, die Bank retten zu können. Ich habe daran ernsthafte Zweifel: Das neue Geschäftsmodell basiert u.a. auf den Bereichen Schiffbau und Immobilien, also Geschäftsfelder, welche noch lange nicht im aus der Problemzone sind.

Ich glaube nicht, dass die sieben deutschen Landesbanken überleben können. Deshalb plädiere ich dafür die Landesbanken zu fusionieren und sich nach und nach von allen Geschäftsfeldern zu trennen, welche nicht zur Unterstützung der Wirtschaft vor Ort dienen. Übrig bleiben würde ein öffentlich-rechtliches Zentralinstitut, welches mit sieben Filialen in der Region die Versorgung der Wirtschaft mit Krediten sicher stellen könnte und in Verantwortung der Sparkassen sein könnte. Das alte Modell der Landesbanken hat sich überholt und es wir höchste Zeit die Konsequenzen daraus zu ziehen.

Nach dieser Einführung diskutierten wir. Dabei ging es auch um die Informationspolitik des Bankvorstands und der Landesregierung gegenüber dem Parlament, welcher aus meiner Sicht sehr schlecht bis fehlerhaft war. Auch ging es um die Steuerung und die Kontrollen der Bank, welche von den Mitgliedern der Landesregierung im Aufsichtsrat vernachlässigt worden ist.

Dabei spürte ich den Unmut und das Unverständnis der Teilnehmenden deutlich. Die Finanzkrise und ihre Auswirkungen – vor allem aber das Entstehen der Krise durch verantwortungslose Manager und durch das Versagen der Politik – erzürnt die Menschen zu recht. Gerade deshalb ist es mir wichtig, an einer Gesprächsrunde wie dieser teilnehmen zu dürfen. Der Dialog zwischen den PolitikerInnen und BürgerInnen ist gerade in schwierigen Zeiten unerlässlich!

Deshalb würde ich mich freuen, wenn es weitere solcher gemeinsam Gesprächsrunden "Politik in den Häusern" zu speziellen Themen geben würde und biete gern an, teilzunehmen und Rede und Antwort zu stehen.

Ein herzliches Dankeschön an die InitiatorInnen für dieses Bürgergespräch: Michael Schwer, Matthias und Annette Beder!

 

13. Mai 2009


 

 

 

 


Sprachförderung in Ratekau

Gaby Braune, Mitglied der Ratsfraktion in Ratekau, machte mich darauf aufmerksam, dass es im Bereich der Sprachförderung von Kindern in Ratekau Schwierigkeiten gibt und bat mich, gemeinsam mit den kommunalen Zuständigen an einem Runden Tisch zum Thema teilzunehmen. So trafen wir uns Ende April auf Einladung des Bürgermeisters Thomas Keller und Fachleuten aus Schulen, Kindergärten und kommunaler Politik und erörterten die Problematik.

Das Land hat mit 27 Millionen Euro zwar sehr viel Geld für die Sprachförderung bereitgestellt, das jedoch auf zu viele Fördertöpfe verteilt ist. Damit behindert die Klärung der Zuständigkeit oft eine schnelle Förderung der Kinder. Im Gespräch stellten wir einstimmig fest, dass es zielführender wäre, diese Gelder zu bündeln und den Kommunen zweckgebunden direkt zur Verfügung zu stellen.

Die große Teilnehmerzahl am Runden Tisch (der Sitzungssaal war komplett besetzt) machte deutlich, dass den Ratekauern das Anliegen der Sprachförderung enorm wichtig ist. Man könne sich dort sogar ein Pilotprojekt vorstellen, sagte ein Schulrektor, der spontan seine Mitarbeit verbindlich für einen entsprechenden Arbeitskreis anbot.

Ich habe nun zu einem Fachgespräch ins Landeshaus eingeladen, um mit Trägern der Kitas, mit ElternvertreterInnen und mit VertreterInnen der Grundschulen darüber zu beraten, wie die Sprachförderung zukünftig in ganz Schleswig-Holstein besser organisiert werden kann. Danach werde ich dieses Thema in die parlamentarischen Beratungen einbringen.

Bei den Ratekauern möchte ich mich herzlich für das konstruktive Gespräch und den engagierten Einsatz bedanken!

8. April 2009


 

 

 

Besuch bei solarnova in Wedel

Fraktionskampagne "Klimaschutz schafft Arbeitsplätze" geht weiter

Gemeinsam mit   unserem Fraktionsvorsitzenden Karl-Martin Hentschel sowie Michael Koehn und Thorsten Berndt vom Pinneberger Kreisverband der Grünen habe ich das Unternehmen"solarnova" in Wedel besucht. Ziel unserer Fraktionskampagne ist es, landesweit für den Klimaschutz werben. Die besuchten Unternehmen zeigen eindrucksvoll, dass Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz keine Widersprüche sind und Umwelttechnologie hochwertige, sichere Arbeitsplätze schaffen kann.   

solarnova ist ein innovatives Unternehmen, das hochwertige Solarmodule in Glasverbundtechnik produziert. Jedes Modul wird einzeln geprüft und ist von herausragender Qualität. Seit 1996 sind hier 25 Arbeitsplätze entstanden, weitere sollen folgen.

In einem sehr anregenden Gespräch mit den Geschäftsführern von solarnova, Hans-Jürgen Lowalt und Heiner von Riegen, haben wir uns über die aktuelle Situation auf dem Markt für Photovoltaik, die Einspeiseverordnung sowie Energiepreise unterhalten. Und natürlich waren wir uns einig, dass die Nutzung regenerativer Energien steigen muss.

Ich finde es immer wieder sehr ermutigend, wenn grüne Positionen durch solche erfolgreichen Unternehmen auch seitens der Wirtschaft bestätigt werden!

6.3.2009


 


 

Grüne im Dialog

Die Öffnung von Kindertagestätten zu Familienzentren:

Eine Perspektive für Kappeln?

Podiumsdikussion Kappeln Monika Robert 582p

Wie können Familien besser unterstützt und gestärkt werden? Diese Frage diskutierten Erzieher, Politiker und Mitarbeiter des Sozialforums in Kappeln. Monika Heinold präsentierte auf Einladung des grünen Ortsverbandes ihr Konzept: Kindergärten öffnen sich zu Familienzentren. Sie sollen zu Orten im Stadtviertel werden, wo Familien Beratung und Hilfe bei Alltagssorgen und in Lebenskrisen finden, sich aber auch einbringen können mit ihren Ideen und Stärken: "Neu an der aus England übernommen Idee des Early Excellence Centers ist der positive Blick auf das Kind und seine Familie, statt der Orientierung an den Defiziten." 

Podiumsdiskussion Kappeln Diskutanten 2 582p

Anschließend moderierte Robert Habeck eine lebhafte Diskussion mit Heinz Kauder vom Sozialforum,  Antje Schümann, der Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Kappeln und Rüdiger Lange, Leiter des Waldorf-Kindergartens Kappeln, der hier gerade von erfolgreichen Ideen zur Elternarbeit berichtet  (v.l.n.r.) Nicht im Bild: Elternvertreterin Ilka Skripczynski.

Podiumsdiskussion Kappeln Diskutanten 3 327p

Fazit des Abends: Auch im ländlichen Kappeln wird Kinderarmut immer sichtbarer. Aber es gibt engagierte Persönlichkeiten, die das Problem erkennen und versuchen, zu helfen. So wie Gerhild Wienzoschek, Leiterin der DRK-Kindertagesstätte Kappeln, der die Ernährung der Kinder Sorgen bereitet. Sie erlebe einen "Notstand": viele Kinder kommen ohne Frühstück in den Kindergarten, regelmäßige Mahlzeiten sind ihnen fremd, berichtete sie. Heinz Kauder bestätigte das; er verzeichnet einen "dramatischen Zuwachs an überforderten Familien in Kappeln". Das Sozialforum betreut derzeit 40 Familien mit etwa 100 Kindern.  Antje Schümann, Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte Kappeln, regte die Bildung einer Vernetzungsstelle ein, in der die verschiedenen Institutionen in Kappeln ihre Angebote koordinieren. Klar wurde an diesem Abend auch, dass man die Kinder nicht erst mit Eintritt in den Kindergarten ins Blickfeld nehmen darf: Frühkindliche Bildung, insbesondere die Förderung behinderter oder von Behinderung bedrohter Kinder müsse viel früher und intensiver erfolgen. Damit würde man viele Entwicklungsprobleme verhindern können. Heinold: "Die Idee des Familienzentrums ist es, das Kind und seine Familie in den Mittelpunkt zu stellen: Das schließt kleinere und größere Geschwister, aber auch die Großeltern mit ein."

30. Oktober 2008


 

Wie kann Kinderarmut im Kreis Plön bekämpft werden?

Monika Heinold infomiert sich über den Kinderförderfonds

Im Kreis Plön leben ca. 2700 Kinder von Hartz IV. Die Kinderarmut liegt mit 14,4%  geringfügig unter dem Landesdurchschnitt von 17,4 % (2007). Die materielle Armut der Familien offenbart sich beim Essen: Immer mehr Kinder auch aus Familien mit geringem Einkommen können sich ein Mittagessen in der Schule nicht leisten. Aber auch kostenpflichtige Nachmittagsangebote sind für viele arme Familien unerschwinglich. Am konkreten Beispiel der Arbeit des "Kinderförderfonds im Kreis Plön" informierten sich Monika Heinold und die grüne Kreistagsabgeordnete Ingrid Bredereck über die regionalen Anstrengungen im Kampf gegen die Kinderarmut.

Im Kreis Plön gibt es eine breite Koalition von gemeinnützigen Initiativen, Vereinen und Einrichtungen: Sie versuchen, die größte Versorgungsnot zu lindern und die soziale Ausgrenzung armer Kinder zu verhindern. Der Kinderförderfonds speist sich überwiegend aus Spenden und wird vom Kreis bezuschusst. Das Geld wird eingesetzt, um Kindern das Mittagessen an Schulen zu ermöglichen. Daneben werden aber auch Winterbekleidung, Hausaufgabenbetreuung, Vereinsbeiträge und Freizeiten bezuschusst. Kai Bellstedt, AWO-Kreisvorsitzender, erläuterte die Zusammenarbeit des von ihm initiierten Kinderförderfonds mit den sozialen Institutionen, Schulen und Kindergärten des Kreises Plön. Die Akteure kennen die Situation der Kinder und Familien, machen auf die Möglichkeit zur Hilfe aufmerksam und unterstützen bei der Antragstellung. So kann schnell und unbürokratisch geholfen werden. Monika Heinold lobte: "Der Kinderförderfonds ist im Kreis bekannt und gut vernetzt – damit kommt die Hilfe  dort an, wo sie gebraucht wird."

Angelika Cox von der AWO-Familienberatung wies auf das Problem der Überschuldung vieler armer Familien hin: Die finanzielle Not sei oft so groß, dass zunächst dieses Problem gelöst werden müsse, ehe eine psychologischer Familienberatung Sinn mache. Frau Cox regte an, wieder Sonderbedarfe bei Hartz-IV-Empfängern einzuführen – z.B. zur Einschulung eines Kindes, die oft mit mehr als 100 Euro ein großes Loch in das Budget armer Familien schlage.  

Montessori-Kita Schönberg Insektenhotel

Zu Besuch im AWO-Montessori-Kinderhaus in Schönberg:

Monika Heinold lobte nicht nur das Pädagogische Konzept der Kindertagesstätte, sie war auch beeindruckt vom großen Naturspielbereich, der sogar über einen Insektenunterschlupf verfügt. Vor dem "Insektenhotel" stehen v.l.n.r: Martina Ulber vom Montessori-Kinderhaus, Monika Heinold, Kai Bellstedt, Angelika Cox und Ingrid Bredereck.

29. September 2008


 

Kampagne:
Schule is(s)t gut -
Kluge Köpfe brauchen Nahrung!

Schulkampagne Eckernförde Junge 327p

Tut gut und macht Spaß: Lecker und gesund Essen in unterhaltsamer Runde –
das ist im Pestalozzi-Förderzentrum Eckernförde Höhepunkt des Tages.

In Deutschland gibt es nicht nur zu viele dicke und falsch ernährte Kinder und Jugendliche - nach einerbundesdeutschen Studie hat fast jedes fünfte Kind kein normales Essverhalten. In unserem Land sind auch immer mehr Familien von Armut betroffen, sie haben zu wenig Geld für regelmäßige Mahlzeiten.

Was tut sich an schleswig-holsteinischen Schulen, damit alle Kinder in den Genuss von gesunder Nahrung kommen und frühzeitig ein gesundes Essverhalten einüben? Diese Frage stand am Anfang der landesweiten Kampagne  "Schule is(s)t gut!", die Monika Heinoldgestartet hat:Die Abgeordnete besucht Schulen, deren gute Ideen wie das Licht eines Leuchtturms ins ganze Land gesendet werden sollen.

Als zweite Station ihrer Reise durch Schleswig-Holstein kam Monika Heinold gemeinsam mit der grünen Ratsfrau Petra Körner nach Eckernförde: Die Kinder und Jugendlichen der Pestalozzi-Schule kämpfen nicht nur mit Lernschwierigkeiten, sie kommen oft auch aus benachteiligten Familien, denen es schwer fällt für regelmäßige und gesunde Mahlzeiten zu sorgen. Gesunde Ernährung ist hier oft ein Problem – und eines der Ziele des Kochprojektes an der Schule: Die SchülerInnen der 8. und 9. Klasse nehmen freiwillig an einem erweiterten Kochunterricht teil. Dieser findet unter Anleitung der Hauswirtschaftslehrerin Gabi Dankert in einer modernen Lehrküche statt – und ist sehr beliebt. Das Schulprojekt "Gemeinsam kochen -gemeinschaftlich essen" läuft seit sieben Jahren mit großem Erfolg. Schulleiter Holger Bohrmann hatte schon vor Jahren erkannt, dass das Mittagessen in geselliger Runde der zentrale Punkt des Tages ist. Mit Unterstützung von Schulrätin Frauke Deuble überzeugte er damals die Stadt, die Lehrküche aus kommunalen und Mitteln des Bundes zu bauen.

Schulkampagne Eckernförde Bürgermeister 582p

Da staunte das versammelte Publikum und die KochschülerInnen:
Wie flink ihr Bürgermeister Jörg Sibbel das Messer schwang und schnibbelte!

Gemeinsam mit Monika Heinold half er, einen köstlichen Obstsalat zuzubereiten.  

17. September 2008


 

Kampagne: Schule is(s)t gut -
Kluge Köpfe brauchen Nahrung!

Besuch in Lauenburg

Jedes 6. Kind im Land ist arm - in Lauenburg lebt fast jedes 3. Kind von Hartz IV. Diese neuen Zahlen des "Lauenburger Netzwerkes gegen Kinderarmut, Ausgrenzung und soziale Ungleichheit" zeigen eine besorgniserregende Entwicklung auf.

Die materielle Armut der Familien offenbart sich beim Essen: Immer mehr Kinder kommen ohne Frühstück zur Schule. Weil man aber mit hungrigem Bauch nicht gut lernen kann, bietet die Lauenburger Tafel allen Kindern der Weingartenschule an drei Tagen in der Woche ein gesundes Frühstück an.

02 08 Lauenburg Schulfrühstück Kinder

Der Ansturm ist groß: Die Lauenburger Tafel gibt rund 120 Frühstücksportionen aus, etwa ein Drittel aller Grundschulkinder nutzen dieses kostenlose Angebot. Viele sind hungrig.

02 08 Lauenburg Schulfrühstück Ausgabe

Die "Frühstücksfrauen" Sybill Scholl (links) und Marianne Gall (im Hintergrund) sind zwei von vier ehrenamtlichen Helferinnen, die das gesunde Frühstück vorbereiten. Die Kinder lieben Obst und Gemüse, stellte Monika Heinold fest, aber manche kannten den Namen der Paprika nicht.

Am Beispiel dieses konkreten Beitrags gegen soziale Ausgrenzung haben Monika Heinold und Hans-Peter Sierich von den örtlichen Grünen mit Vertretern des örtlichen Netzwerkes gegen Kinderarmut über weitere Maßnahmen und ihre politischen Forderungen diskutieren:
Friederike Betge, Vorsitzende der Lauenburger Tafel, Claudia Vogt-Gohdes und Doro Scheider vom Ortsjugendring, Ursula Strube vom Sozialverband sowie Uwe Frensel von der Arbeiterwohlfahrt fordern u. a. von der Stadt, verbindliche Strukturen zu schaffen, um alle Kinder in Lauenburger Kindertagesstätten und Schulen mit kostenlosem, gesunden Essen zu versorgen. Denn diese Aufgabe kann nicht mit ehrenamtlicher Arbeit allein gelöst werden, darin waren sich alle einig.  

Monika Heinold reist derzeit im Rahmen ihrer Kampagne "Schule is(s)t gut" durch das Land, um sich über vorbildliche Aktionen in Schulen zu informieren.

20. Februar 2008