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Nach meinem Umzug von Bad Bramstedt nach Kiel habe ich damit begonnen, als Kieler Abgeordnete wichtige öffentliche Einrichtungen, private Betriebe und karitative Einrichtungen in Kiel kennen zu lernen und Gespräche mit den Persönlichkeiten der Stadt zu führen.
Der Schwanenseepark in Kiel-Ellerbek soll wieder ein attraktives Naherholungsgebiet für Jung und Alt werden. Botschafter für diese Aktion sind u.a. kleine Plüschschwäne, die rund um den Park für 5 Euro verkauft werden. Diese Aktion finde ich toll und unterstütze sie.
Am Samstag, den 5.3.2011 habe ich mit Gisela Schulz, Mit-Initiatorin des Projekts Schwanenseepark, im Famila-Markt in Ellerbek Schwäne verkauft und per Glücksrad Geld dafür eingeworben. Mit dem eingeworbenen Geld wird die Arbeitsgemeinschaft Schwanenseepark unterstützt, die viele Ideen für den Park entwickelt hat. Hoffentlich können sie bald realisiert werden!
Die Schwäne können auch weiterhin gekauft werden: beim Markant Markt in Ellerbek, der Germania Apotheke in der Schönberger Straße oder im Luna Cafè.
Das Projekt Schwanenseepark war in der engsten Auswahl zum Hirschfeldt-Preis 2011. Mehr Infos dazu unter /www.kiel.de/presse/kiel_presse_meldung.php?id=9076

Wusstet ihr das? Die erste Kindertagesstätte, die bundesweit ein Umweltmanagementsystem nach EMAS („Öko-Audit“) gemacht hat, ist in Kiel-Wellingdorf.
Bereits im Jahr 2000 hat sich die Kindertagesstätte Marienwerderstraße zertifizieren lassen. Das ist lange her. Was ist davon geblieben? Wie sind die Erfahrungen mit diesem ursprünglich für die Wirtschaft gedachten Öko-Audit? Gemeinsam mit Kirsten Wegner und Gisela Schulz habe ich Anfang Juni die Kita besucht.
Ja, die Vorarbeiten für die Zertifizierung seien aufwändig gewesen, erzählte Regine Baumann, Leiterin der Kita. Es mussten Energieverbräuche und Müllmengen erfasst, Mitarbeiterinnen geschult und Umweltziele formuliert werden. Das 70er Jahre Gebäude wurde unter energetischen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen .
Doch als dieses Grundgerüst erst einmal stand, rückte die spielerische Umwelterziehung der Kinder in den Vordergrund - wo sie noch heute steht. „Das gesunde Flurfrühstück“, Tierbeobachtung im Garten, überdurchschnittlich viel Bio-Essen, Wolle spinnen und weben, achtsamer Umgang mit Ressourcen und natürlich die Einbeziehung der Eltern in umweltrelevante Themen sind nur einige der Aspekte, in denen sich die Kita von anderen absetzt.
In ihren Umweltleitlinien hat die Kita-Leitung es so formuliert: „Umweltwissen - Umwelterziehung bedeutet, mit der Natur zu leben, sie in das Haus zu holen und einen kreativen Umgang zu pflegen; alle Sinne zu spüren und niemals die Achtsamkeit in allem Handeln und im Wort zu vergessen.“
Und in der Tat war es für uns drei grüne Besucherinnen sehr beeindruckend zu sehen, wie diese Worte mit Leben gefüllt werden. Ich halte das Öko-Audit für einen hervorragenden Impuls, einer Kindertagesstätte einen umweltfreundlichen Weg aufzuzeigen und werde bei Besuchen in anderen Einrichtungen dafür werben.
10. Juni 2009
Wenn Kinder von Armut betroffen sind, ist ihre Teilhabe am sozialen Leben massiv bedroht. Sharif Rahim und ich haben uns Anfang März im Gespräch mit Frau Witte und Herrn Noll vom Sozialzentrum Gaarden und Stadtrat Herrn Möller informiert, welche Maßnahmen in Kiel-Gaarden dagegen ergriffen werden.
Kiel-Gaarden ist ein Stadtteil, dessen Sozialindikatoren in nahezu allen Bereichen Spitzenwerte erreichen – im negativen Sinn. Die Einkommenssituation ist prekär, so sind über 65% der Jugendlichen bis 15 Jahre sozialgeldabhängig. Jeder fünfte jugendliche Straftäter kommt aus Gaarden. Der Anteil an Hauptschülerinnen und Hauptschülern beträgt fast 30% und der gesundheitliche Zustand der Kinder und Jugendlichen ist besorgniserregend. In keinem anderen Stadtteil gibt es so viele junge Menschen mit Karies, Übergewicht und Koordinationsstörungen. Im Gespräch wurde leider auch deutlich, dass Problemlagen sich oft über Generationen in den Familien halten.
Im Sozialzentrum hat man deshalb vor Jahren begonnen, den gesamten "Sozialraum" zu betrachten. Stadtteilkonferenzen wurden eingerichtet, um eine enge Vernetzung aller Akteure sicherzustellen.
Das aktuelle Projekt "Willkommen" soll z.B. sicherstellen, dass junge Eltern die notwendige Hilfe bekommen und ausreichend über die Bedürfnisse von Kindern informiert werden. So fungiert es gleichzeitig als Frühwarnsystem, wenn Probleme auftauchen oder Kindesmisshandlungen zu befürchten sind. "Fall-Foren" an Schulen sollen helfen, Probleme mit einzelnen Schülerinnen und Schülern zu lösen. Hier wurde auch die große Bedeutung von SozialarbeiterInnen an Schulen deutlich.
Besonders interessant waren für uns auch die Erfahrungen, die Gaarden mit dem Umbau zweier Kitas zu einem Familienzentrum gemacht hat – mit einem umfassenden Angebot an Beratungsleistungen und Kursen sowie einem Café.
Insgesamt legt das Sozialzentrum Gaarden großen Wert auf ein umfassendes Gesamtkonzept. Ein oft schwieriger Weg, da der Großteil der Vermieter privat ist und ein Wohnraumkonzept mit Wohnungsbaugesellschaften schlichtweg einfacher umzusetzen wäre.
Deutlich wurde in dem Gespräch vor allem eins: Das Betrachten des gesamten Kreises "von der Wiege bis zur Bahre" ist unerlässlich, um den Teufelskreis aus Armut und Perspektivlosigkeit zu durchbrechen.
3. März 2009
Im Gespräch mit der Projektleiterin Christine Dressler, DAA-Vertreter Herrn Bartsch sowie Frau Hannemann-Röttgers und Herrn Stöcken vom Jobcenter Kiel machten wir uns ein Bild von diesem bundesweit einmaligen Unterstützungsangebot.
Jahrelange Arbeitslosigkeit bewegt und zermürbt nicht nur die Betroffenen, sondern die ganze Familie. Deshalb wird bei dem vom Jobcenter finanzierten und von der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) seit 2005 durchgeführten Projekt "Familie in Bewegung" (FIB) das gesamte Familiensystem betrachtet.
Etwa 100 Menschen können pro Jahr ganz individuell unterstützt werden. Am Anfang steht immer eine Bestandsaufnahme: Wo steht die Familie? Wer gehört dazu? Was machen die Kinder? Kommen sie in der Schule zurecht? Gibt es Sprachdefizite?
Dann wird gemeinsam ein Familienziel definiert und über 10 Monate in einer Praxisphase begleitet und umgesetzt. Für die berufliche Weiterbildung stehen in der Einrichtung verschiedene Werkstätten, EDV-Räume, Unterrichtsräume und notfalls auch Kinderbetreuungsräume zur Verfügung - alles unter fachkundiger Leitung. Arbeitserfahrung wird durch 1 Euro-Jobs möglich.
Die Familie wird bei Bedarf auch zu Elternabenden in der Schule begleitet, denn allein Bildung hilft den Kindern, aus einer oft Generationen andauernden Arbeits- und Perspektivlosigkeit herauszukommen.
Nach 10 Monaten sollen die Teilnehmenden optimalerweise in der Lage sein, ihre beruflichen Ressourcen einzuschätzen, haben Schlüsselqualifikationen verbessert und Netzwerke geknüpft. Zum Abschied wird ein neues Ziel formuliert, das die Familie nach der Maßnahme erreichen möchte - und für das sie die Gesprächskreise von FIB weiterhin nutzen kann.
Besonders gut gefiel uns bei dieser Maßnahme der systemische Ansatz, durch den die Betroffenen in ihrer individuellen Lebenswirklichkeit abgeholt werden.
20.02.2009
Die grüne Landtagsfraktion setzte sich bereits vor vielen Jahren für das Sinti- und Roma-Wohnprojekt "Maro Temm" in Kiel ein – seit fast 2 Jahren ist es endlich realisiert worden. Im Gespräch mit Frau und Herrn Weiß vom Landesverband der Sinti und Roma habe ich mich im Februar 2009 über das Wohnprojekt informiert. 13 Familien mit etwa 50 Menschen leben in der neu errichteten Reihenhaussiedlung mit Niedrigenergiestandard.
Mit Maro Temm (was in der Sprache der Romanes so viel bedeutet wie "unser Platz") werden ehrgeizige Ziele verfolgt: Das Projekt soll den Sinti und Roma ermöglichen, ihre eigene Kultur und Sprache zu bewahren und weiter zu entwickeln. Teil ihrer Kultur u.a. ist das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach. Bei Maro Temm funktioniert ganz selbst selbstverständlich, was unsere Gesellschaft mit Mehrgenerationen-Häusern wieder beleben möchte.
Auch soll Maro Temm die Integration in die Gesellschaft erleichtern. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Kinder gerichtet. Nur durch sie wird es möglich sein, den Teufelskreis zwischen mangelnder Bildung und staatlichen Transferleistungen zu durchbrechen.
Das Projekt, dem eine Machbarkeitssudie vorausging, hat national und international Modellcharakter, eine Wohnungsgenossenschaft wurde eigens dafür gegründet. Das Projektvolumen betrug insgesamt 1,9 Millionen Euro und wurde hauptsächlich über das Wohnungsförderungsprogramm des Landes finanziert.
16.2.2009
Dick eingemummelte, kleine Kinder spielen im Unterholz, während die nicht weniger dick eingemummelten Eltern dem kalten Winterregen trotzen und von ihren positiven Erfahrungen mit diesem in Schleswig-Holstein einmaligen "Waldkleinkindergarten" zu berichten: Ein frostiger Termin vor Ort!
Der Verein "Kinderwald – Gesellschaft für Waldpädagogik e.V. hatte Frau Heinold ins Projensdorfers Gehölz eingeladen, um zu zeigen, dass frühkindliche Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) funktionieren kann. Seit einigen Monaten führt der Verein gemeinsam mit dem Landesjugendamt einen Modellversuch durch: Der Waldkindergarten hat die landesweit erste Gruppe mit unter dreijährigen Kindern gegründet. Neben zwei Erzieherinnen wird die Gruppe dabei täglich von einem Förster betreut, der den Kindern einen behutsamen Umgang mit dem Ökosystem Wald beibringt: "Ich begrüßte diesen Modellversuch und wünsche mir zahlreiche Nachahmer, die die Waldpädagogik hierzulande vorantreiben!" sagt Monika Heinold.
(5. 12. 2008)
Im Frühjahr 2008 standen soziale Fragen im Focus:
Das größte Problem der Stadt ist die Kinderarmut: Laut Sozialbericht 2007 fallen 33 % aller Kinder unter die Armutsgrenze. Die von der GRÜNEN Landtagsfraktion geforderte und nun im neuen Kinderschutzgesetz verankerte Verpflichtung zur gesundheitlichen Vorsorgeuntersuchung kleiner Kinder wird als Chance für die Stadt gesehen: Auch wenn in der Konsequenz neue Stellen in der Verwaltung geschaffen werden müssen, um die Teilnahme aller Kinder sicher zu stellen und eventuelle Fördermaßnahmen einzuleiten, lohnt es sich im Ergebnis immer, wenn Hilfebedarf frühzeitig erkannt wird.
Insgesamt leben 19 % aller Kieler von öffentlichen Transferleistungen. Auch wenn diese Zahl leicht rückläufig ist, so birgt sie doch sozialen Sprengsatz. Das trifft insbesondere auf schlecht ausgebildete Jugendliche zu, die sich keine Zukunftsperspektive vorstellen können. Es trifft aber auch auf die immer älter werdende Bevölkerung zu, die zukünftig wieder stärker von Altersarmut betroffen sein wird. Langjährige Hartz IV/Sozialgeld-BezieherInnen aber auch GeringverdienerInnen werden nur über eine sehr geringe Rente verfügen.
Erfreulich ist, dass Herr Bornhalm als Vorsitzender der ARGE ein positives Fazit über die Arbeit dieser Einrichtung zog. Da die Jobcenter dezentralisiert in die Sozialzentren der Stadteile integriert sind, bieten sie einen niedrigschwelligen Zugang. Ich habe mit Herrn Bornhalm über die Zukunft der ARGEN diskutiert, da diese nicht verfassungskonforme Konstruktion nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes geändert werden muss. Die Position der Landtagsfraktion lautet, die Bundesagentur für Arbeit weitestgehend abzuschaffen und die Verantwortung für die Beratung und Vermittlung aller Arbeitslosen ganz in die Hand der Kommunen zu geben. (14.2.08)

In der Einrichtung des Kinderschutzbundes in der Hopfenstraße werden über 60 Kinder nach der Schule kostenlos betreut. Die Kinder können dort für 1 € am gemeinsamen Mittagstisch teilnehmen, man hilft ihnen bei den Hausaufgaben, bietet ihnen kreative Freizeitgestaltung und kümmert sich intensiv um sie. Vermittelt werden die Kinder durch das Jugendamt, sie kommen fast ausschließlich aus Migrantenfamilien, darunter sind viele Flüchtlingskinder. Erfahrungen mit Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit, Analphabetismus und einem Leben zwischen zwei Kulturen gehören für viele Kinder zum Alltag. Auf der Warteliste des Kinderhauses stehen ca. 70 Kinder, da der "Blaue Elefant" die einzige Einrichtung dieser Art in Kiel ist. Darum sucht das Kinderhaus nach einer größeren, bezahlbaren Unterkunft. Wenn auch die Räumlichkeiten derzeit sehr beengt und die Ausstattung karg ist: Das Engagement der Leiterin Karen Wind-Alkis und ihrer MitarbeiterInnen, darunter viele Ehrenamtliche, hat uns sehr beeindruckt. (12. 3. 08)
Diese Frage führte mich zum DRK-Kreisverband Kiel als Koordinator des "Kieler Netzwerkes gegen Kinderarmut". Diesem 2007 gegründeten Netzwerk gehören Vertreter aus Politik, Verwaltung, gemeinnützigen Organisationen, Verbänden und Schulen an. Ihre Basis ist die Arbeit in den Stadtteilkonferenzen bzw. den Arbeitsgemeinschaften, die sich mit Aspekten der Kinderarmut beschäftigen; ihre Plattform die jährlich stattfindende Kinderarmutskonferenz. Als konkretes Projekt des DRK stellt uns Geschäftsführer Jürgen Hoffmeister den seit 1997 bestehenden "Kinderhilfsfonds Kiel" vor: Schulen können neuerdings einen Kooperationsvertrag abschließen und bekommen ein Budget in Höhe von 500 Euro, um armen Kindern unbürokratisch helfen zu können. (12.3.08
Mit diesen neuen Herausforderungen sieht sich der "Tagestreff und Kontaktladen" für Wohnungslose in der Schaßstraße konfrontiert, den ich mit Bianca Kronschnabel besuchte. 50-80 Besucher werden hier täglich gezählt, darunter ein Drittel Frauen und viele ältere, oft einsame Menschen. Einzugsgebiet ist die gesamte Landeshauptstadt. Hauptanziehungspunkt ist der gemeinsame Mittagstisch MANNA, der überwiegend von Sachspenden lebt und für 1 € eine warme Mahlzeit anbietet. Unter den vielen Problemen, die in der hoch informativen Runde mit Geschäftsführer Gerhard Schoof und Mitarbeiter Hans-Werner Letsch angesprochen wurden, war die zunehmend schlechter werdende gesundheitliche Versorgung insbesondere psychisch kranker Personen ein wichtiger Punkt. An dem Gespräch nahmen auch Vertreter der drei Träger der Einrichtung teil, die hervorragend miteinander kooperieren: Michael Schmitz-Sierck von der Zentralen Beratungsstelle Soziale Integrationshilfen der Evangelischen Stadtmission Kiel; Marina Koch, Geschäftsführerin des Ortscaritasverbandes Kiel und Elisabeth Christa Markert, Pastorin aus dem Haus der Kirche. (14.3.08)

Sehr informativ war der Besuch im Kontaktladen für Wohnungslose!
(v.l.n.r.: G. Schoof, B. Kronschnabel , H-W. Letsch, M. Koch, E. C. Markert, M. Heinold)
Schwerpunktes des Gespräches mit Stadtrat Dieter Kurbjuhn, Mitarbeiter Frank Schmitz und der Kieler Grünen Katja Günter war die steigende Jugendkriminalität. Es gibt nicht mehr kriminelle Jugendliche, das Problem ist nur: Sie sind gewaltbereiter als früher. Neue Formen der Gewalt, z.B. das "Happy Slapping" – Verprügeln vor laufender Handykamera – bereiten Sorgen. Die beste Prävention ist immer noch die Behebung der Jugendarbeitslosigkeit. Berufliche Perspektiven müssen rechtzeitig entwickelt werden. Gelobt wurde in diesem Zusammenhang die Arbeit der (nicht mehr existierenden) Jugendaufbauwerke (JAW): Gefährdete Jugendliche hatten hier die Chance erhalten, in einer neuen Umgebung fernab von ihrem Elternhaus und ihrer alten Clique ihre Talente zu entwickeln und sich auf eine Ausbildung vorzubereiten, die vielfach erfolgreich abgeschlossen wurde. (19.3.08)
In dem Gespräch, welches Katja Günther und ich mit den Vorstandsvorsitzenden der Förde Sparkasse Herrn Bormann und Herrn Seidel geführt haben, ging es insbesondere um die umstrittenen Forderungsverkäufe der Sparkassen Wedel und Südholstein. Ich habe die Position der GRÜNEN Landtagsfraktion dargestellt: Das Vertrauen der regionalen Wirtschaft in die Sparkassen wird geschwächt, wenn Kredite an amerikanische Banken verkauft werden. Forderungsverkäufe sind aus unserer Sicht nicht mit der Sonderstellung der Sparkassen zu vereinbaren, welche als öffentlich-rechtliche Institute eine Gemeinwohlverpflichtung haben.
Aber als Finanzpolitikerin habe ich nicht nur Geld im Sinn. Deshalb waren Katja und ich gleich im Anschluss bei Dr. Dirk Luckow, Leiter der Kieler Kunsthalle. Dort wurde deutlich, dass angesichts der knappen Mittel viel Phantasie gefragt ist um das kulturelle Angebot für die KielerInnen zu stärken.Aber auch die zunehmende Anzahl von Kreuzfahrtgästen ist eine interessante Kundschaft, welche bei weitem nicht nur shoppen will. Kiel hat schon heute interessante Museen und wertvolle Sammlungen, z.B. die Medizin- und Pharmaziehistorische oder die Theatergeschichtliche Sammlung. Damit sich Kiel zu einem Zuschauermagnet für Kunst und Kultur entwickeln kann und das vorhandene kreative Potential bei Fragen der Stadtgestaltung genutzt wird, bedarf es einer deutlich verbesserten Vernetzung der Angebote und Standorte, trotz der unterschiedlichen Finanziers von Stadt und Land. Dabei ist die Kunsthalle neben dem Fährterminal ein optimales "Eingangstor" für DIE Kulturstadt im Norden.
Hochinteressant war auch das Gespräch mit dem Rektor der Muthesius-Kunsthochschule Dr. June H. Park und dem Kanzler Dirk Mirow, an welchem auch Ulrike Kahlert teilgenommen hat. Für die Kunsthochschule ist es wichtig, dass die Bedeutung von Kunst und Kultur unabhängig von der Frage der Profiterwartung der kulturellen Angebote akzeptiert wird. Kreativität kann sich nur entfalten, wenn den KünstlerInnen gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung entgegen gebracht wird und wenn die Frage der kulturellen Entwicklung einer Stadt auch unabhängig von Sparzwängen diskutiert wird. Über den Wert der Kultur als Teil der Lebensqualität waren wir uns natürlich schnell einig.
Unabhängig von dieser Grundsatzfrage hat die Hochschule aktuelle Sorgen: Durch die Sanierungsarbeiten des Gebäudes in der Legienstrasse fallen Ateliers für die Studenten weg. Ausweichquartiere werden dringend gesucht. Auch zukünftig gibt es keine Perspektive für ein verbessertes Raumangebot. Beim Rundgang durch die Werkstätten des Studienganges Industriedesign konnten Ulrike und ich uns davon überzeugen, dass schon jetzt Platzmangel besteht, die StudentInnen schlicht und ergreifend mehr Raum für die Entwicklung ihrer Ideen brauchen. Es wäre bitter, wenn aus Platzgründen zukünftig u.a. die alte Setzerei und Druckerei aufgegeben werden müsste. Dieser kulturelle Schatz muss in Kiel erhalten werden, nicht als Museum, sondern als Lernwerkstatt. Fazit des Besuches: Die Muthesius ist ein Ort der Kreativität, dem man mehr Raum geben muss, im praktischen wie im übertragenen Sinn.
Ganz anders aber genauso spannend war unser Besuch beim Geschäftsführer der Sensatec GmbH, Dr. Stephan Hüttmann. Dieses junge, innovative Unternehmen mit Hauptsitz am alten Seefischmarkt und Niederlassungen in Berlin und München ist spezialisiert auf biologische Altlastensanierung: Durch Zufügen von Sauerstoff werden Mikroorganismen im Boden aktiviert, die dann den Abbau der Schadstoffe übernehmen. Dieser Prozess wird mittels extrem robuster Sensorik gesteuert und kontrolliert. Das Unternehmen hat zum Beispiel die Bodensanierung nach dem Bahnunfall bei Tornesch durchgeführt, als Projekt gemeinsam mit der Uni Kiel.
Die Bedingungen für solche Existenzgründungen sind in der Landeshauptstadt gut: Es gibt den Austausch mit der Universität, Unterstützung durch die WTSH und Fördergelder für Forschung.
Mit der CITTI Handelsgesellschaft mbH & Co. KG stand natürlich auch einer der großen Gewerbesteuerzahler der Stadt Kiel auf meiner Besuchsliste. Wir haben mit dem Geschäftsführer Gerhard Lütje und dem Prokurist Harald Rottes die Frage diskutiert, inwieweit der Citti-Markt Kaufkraft aus der Kieler Innerstadt abzieht. Aus Sicht der Handelsgesellschaft ist der Markt ein Magnet für die ganze Region und zieht Kundschaft im Umkreis von 60 km nach Kiel. Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass dieses auch an den kostenlosen Parkplätzen liegt. Im Schnitt werden täglich 30.000 Kunden gezählt, viele davon verbinden die Einkaufstour mit einem Kielbesuch und halten sich nicht nur im CITTI-Komplex auf, so Herr Lütje. Erfreulich ist, dass es zukünftig auch einen Bahnanschluss an das Einkaufszentrum geben wird.
Bei meinem Besuch der Christian-Albrechts-Universität Kiel wurde ich von Lutz Oschmann begleitet. Im Gespräch mit Rektor Prof. Dr. Thomas Bauer ging es um die Autonomie der Hochschulen. Die Universität versteht sich als eine Institution der Vordenker und braucht finanzielle Freiräume. Die Forschungsprojekte bewegen sich auf internationalem Niveau. Forschungsförderung darf nicht ausschließlich am Profit orientiert sein; Fächer wie die Geisteswissenschaften dürften nicht ausgetrocknet werden. Die Landeshauptstadt Kiel ist ein guter Standort für Professoren und Studenten. Die hohe Lebensqualität in der Stadt am Meer und die vergleichsweise niedrigen Mieten und günstigeren Lebenshaltungskosten locken Wissenschaftler wie Studenten/innen immer wieder hier in den Norden. Es wurde deutlich, dass Studenten und Professoren dem Kultursektor eine hohe Bedeutung beimessen.
Mit der Fähre setzten Lutz und ich zur Fachhochschule Kiel über. Rektor Prof. Dr. Constantin Kinias stellte uns die Entwicklung der Fachhochschule am Ostufer vor und betonte noch einmal, dass er das Audimax gerne direkt an der Schwentine gebaut hätte, dieser Plan scheiterte aber nach den Gesprächen mit Stadt und Land. Die Fachhochschule wünscht sich nun eine bessere Infrastruktur rund um ihren Standort. Ein erster Schritt könnte eine Brücke über die Schwentine sein, um die Fachhochschule mit dem Fischereihafen zu verbinden. Prof. Kinias stellte insbesondere die Qualität und bundesweite Anerkennung des technischen Zweiges dar und zeigte anhand des Mediendoms auf, dass die Fachhochschule ständig an neuen Innovationen arbeitet und damit die Stadt Kiel um interessante Attraktionen bereichert.
Gemeinsam mit Lutz informierte ich mich über die Lage des Einzelhandels bei Uwe Wanger, Geschäftsführer der Kiel Marketing GmbH. Hauptthema war die enorme Expansion der Verkaufsflächen in und um Kiel, die bei konstanter Kaufkraft im Einzelhandel zu sinkenden Umsätzen pro m² führt. Dabei ging es auch um die geplante Rathausgalerie, da es Befürchtungen gibt, dass sie zu Lasten der Umsätze im Sophienhof und in der Holstenstraße geht. Diese Frage haben wir auch mit Michael Zeinert, Geschäftsführer des IHK-Arbeitskreises Einzelhandel in Kiel, diskutiert: Kann die Rathausgalerie die Attraktivität der Innenstadt steigern, oder gefährdet dieses Projekt die Entwicklung der Altstadt? Unstrittig ist, dass sich die Innenstadt verändern muss, um attraktiv und gegenüber dem Citti-Markt konkurrenzfähig zu bleiben. Die Kieler Stadtentwicklung bleibt in den nächsten Jahren ein zentrales und wichtiges Politikfeld mit großen Gestaltungsmöglichkeiten!
Als Grüne zog es mich natürlich zum Lokomotivbauer Voith Turbo GmbH & Co. KG. Das junge Unternehmen am Nord-Ostsee-Kanal könnte man als Denkfabrik bezeichnen. Geschäftsführer Hinrich Krey schilderte, wie 55 Ingenieurinnen und Ingenieure in nur zwei Jahren die stärkste einmotorige Diesel-Lok der Welt entwickelt haben. Mehr als 100 Facharbeiter bauen nun die Lok "Maxima", deren Prototyp ich besichtigen konnte. Das nicht börsennotierte Unternehmen läuft nicht dem Globalisierungstrend hinterher, sondern setzt auf die hohe Qualität und Zuverlässigkeit regionaler Zulieferer und regionaler Fertigung. Mit der "Maxima" und ihrer kleineren Schwester will der Lokomotivbauer den europäischen Markt aufrollen.
Auch die HDW als großer Arbeitgeber stand auf der Besuchsliste von Lutz und mir. Geschäftsführer Dr. Walter Klausmann und das Vorstandsmitglied Andreas Burmester von der Submarine Division nannten die beeindruckenden Zahlen: Die Kieler Werft gehört mit fast 2500 Arbeitsplätzen (davon sind 60% Angestellte und 40% hoch qualifizierte Facharbeiter) zu den größten Standorten des ThyssenKrupp Konzerns. Die U-Boote werden sowohl in Kiel als auch unter deutscher Anleitung im Ausland gebaut.
Die Geschäftsführung betonte, dass die bis zu 400 Mio. teuren U-Boote der HDW seit dem 2. Weltkrieg an keinem Kriegseinsatz teilgenommen hätten, heute unverzichtbarer Bestandteil einer modernen Sicherheitstechnik seien und u. a. der Gefahrenabwehr dienten. Sie werden z.B. gegen Piraterie und Drogenhandel eingesetzt und können mit AUVs (autonomen Unterwasserfahrzeugen) auch Munitionsaltlasten orten und bergen. In Kiel werden auch Containerschiffe gebaut, die fernöstliche Konkurrenz ist sehr stark. Mit der Entwicklung und dem Bau von Megajachten ist HDW dabei, die Marktnische der superreichen Kunden zu erobern.
Mit dem Besuch des Theaters Kiel fand meine "Wintertour" einen schönen Abschluss: Katja und ich ließen uns von Generalintendant Daniel Karasek und dem kaufmännischen Direktor Dr. Ralf Klöter in die Theaterwelt entführen. Die veränderte Rechtsform hat in den letzten Jahren viel in Bewegung gebracht, die aktuelle Situation sieht gut aus: Man berichtete uns von ausverkauften Vorstellungen, einer Zunahme der Schauspiel-Abonnenten und einer Rückkehr der Opernfreunde. Mit 450 Mitarbeitern gehört auch das Theater zu den großen Arbeitgebern. Ein Schwerpunkt des Gespräches drehte sich um die Frage, wie man junge Leute für das Theater begeistern kann – was mir sehr am Herzen liegt: Denn die Kultur lebt nur, wenn sie keine geschlossene Veranstaltung der etablierten Schichten ist.
Mit welch alltäglichen, logistischen Problemen der Theaterbetrieb im Schauspielhaus zu kämpfen hat, wurde mir bei einer Begehung mit Theaterintendant Karasek deutlich: Zwar ist der Umbau des Hauses erst 10 Jahre alt, aber da das ursprüngliche Konzept nicht verwirklicht wurde, treten nun verstärkt zeit- und personalintensive Transporte zu und von den außerhalb gelegenen Werkstätten und Lagerhallen auf. Auch gibt es keine Überdachung im Hof, so dass die Arbeiter und das Material dem Kieler Wind und Wetter ausgesetzt sind. Darüber hinaus weist die Konstruktion der Hinterbühnen funktionelle Mängel auf: Die räumliche Enge behindert die Bühnentechnik, eine Montagehalle für die Kulissen fehlt. All dieses spricht dafür, noch einmal in das Schauspielhaus zu investieren. Es wäre eine Investition, die sich auch wirtschaftlich rechnet, denn der Umbau würde zu einer Einsparung von Zeit und Personal im laufenden Betrieb führen und so Kosten sparen. Außerdem könnten die Bühnen mehr bespielt werden. Ich unterstütze dieses Anliegen und würde mich freuen, wenn sich der Kreisverband anschließt und wir uns dann gemeinsam für dieses Projekt einsetzen.